Traumzeit Spezial: Myanmar
Das seit 1997 bestehende Duisburger Traumzeitfestival hat sich auch nach dem Kulturhauptstadtjahr viel vorgenommen: So setzt es seinen musikalischen Schwerpunkt 2011 auf das südostasiatische Myanmar.
Musikalische Entdeckungen
Myanmar, eher unter dem Namen Birma oder Burma bekannt, hat sich seit fast einem halben Jahrhundert nach außen hin gewissermaßen abgeschottet. Seine Kultur und insbesondere seine Musik sind hierzulande nahezu unbekannt. Das will das diesjährige Traumzeitfestival ändern und mit einem TRAUMZEIT SPEZIAL: MYANMAR eine breite Zuhörerschaft erreichen.
Kultur öffnet Türen
Zusammen mit seinen Partnern, darunter das Goethe Institut, das NRW KULTURsekretariat, die Deutsche Botschaft in Myanmar, die Heinrich Böll Stiftung sowie der Westdeutsche Rundfunk (WDR), will das Traumzeitfestival musikalisch bislang verschlossene Türen öffnen und den Austausch- und Annäherungskontakt verschiedener Kulturen fördern.
Vorab-Begegnungen in Myanmar
Nachdem Festivalleiter Tim Isfort im September/Oktober 2010 und Januar 2011 erste musikalische Vor-Ort-Kontakte geknüpft hat, wird Anfang Mai 2011 eine weitere vorbereitende Reise nach Myanmar folgen.
Informationen und Kontakt
Mehr Auskunft zum Projekt geben der Text zu den Konzerten, der Film und nicht zuletzt ein persönliches Gespräch mit Tim Isfort:
Telefon 0049-151-42323 469 oder tim.isfort@traumzeit-festival.de
Kontakt: Olaf Reifegerste, Telefon 0049-(0)203-2836040 oder o.reifegerste@stadt-duisburg.de
Traumzeit Spezial: Myanmar
1. DIE KONZERTE
I. hsaing waing Ensemble Hein Tint (Konzert am Freitag, 01.07.2011, in Duisburg)
Das traditionelle Hsaing Waing Ensemble gruppiert sich um das Trommelspiel pat waing. Pat ist das birmanische Wort für Trommel und waing bedeutet Kreis und bezeichnet ein faszinierendes und einzigartiges Instrument, bei dem 21 Trommeln in einem reich verzierten und goldfarbenen Rahmen angeordnet sind und auf denen Melodien gespielt werden. Das weitere Ensemble setzt sich zusammen aus den Instrumenten maung zaing (ein chromatisches Gongspiel), der Oboe hne, den sechs Trommeln chauk lone pat, dem Beckenpaar ling gwin und der Zymbel si und der Klapper wa. Die Musiker spielen ein Repertoire aus alten klassischen Liedern und moderneren Kompositionen. Der Ensembleleiter und pat waing Spieler Hein Tint ist ein Schüler des bekanntesten birmanischen Musikers und Innovators Sein Bodint und seine Mitspieler sind erfahrene Größen und spielen auf höchstem Niveau.
II. Myanmar Hmu Gitameit (Konzert am Samstag, 02.07.2011, in Duisburg)
Dieses kleine Ensemble, bestehend aus einem Slide Gitarristen, einem Pianisten und einer Sängerin, zeigt auf beeindruckende Weise, wie aus dem Westen stammende Instrumente in die birmanische Musikkultur adaptiert wurden. Myanmar hmu steht für traditionelle Musik im Gegensatz zur europäischen, die bei Gitameit gespielt wird. Hmu bedeutet so viel wie Essenz, das Eigene, Besondere. Der 81-jährige Slide Gitarrist ist U Din ist ein hervorragender Meister seines Instruments und verfügt über ein riesiges Repertoire an birmanischen Liedern (Die Lieder sind nicht notiert und werden nur von Lehrer zu Schüler weiter gegeben). Das birmanische Klavierspiel entstand mit der Kolonialisation Burmas durch die Briten Ende des 19. Jahrhunderts. Die virtuose perkussive Spielweise ist gleichermaßen ungewöhnlich wie beeindruckend. Der Pianist Ko Than Aye spielt außerdem das patala, ein Bambusxylophon. La Min Eain, die ausdrucksstarke Stimme des Ensembles, spielt ausserdem die Takt gebenden Instrumente si und wa.
III. Gemeinsame Traumzeit-Party – birmanische Pwe (Samstag, 02.07.2011, in Duisburg)
Am Samstag, 02.07., wird im Rahmen der großen Traumzeit-Party (bei der spontane Sessions und Konzerte zwischen vielen Musikern, die beim Festival auftreten, entstehen) gemeinsam mit den Musikern aus Myanmar die Nacht durchgefeiert - ähnlich der birmanischen pwe.
IV. Harfenkonzert (Konzert am Sonntag, 03.07.2011, in Duisburg in Kooperation mit dem Festival für Folk- und Weltmusik (TFF) in Rudolstadt, Thüringen)
Der aus Mandalay stammende Harfenist Kyaw Myo Naing wird in einem Konzert die 16-saitige birmanische Bogenharfe saung kauk spielen. Sie gilt als das Nationalinstrument Myanmars und repräsentiert die Seele der bamarischen Musik. Kyaw Myo Naing wird neben bamarischen Stücken auch eigene, westlich beeinflusste Kompositionen zu Gehör bringen. Am 01. und 02.07. wird er beim TFF in Rudolstadt (diesjähriger Harfenschwerpunkt) auftreten – am 03.07. in Duisburg werden sich zudem Gastmusiker aus den anderen birmanischen Ensembles mit auf der Bühne einfinden.
V. Spezialprojekt „Myanmar meets Europe“ (Vorbereitung in Yangon und Europa, Probenphase in Duisburg, Konzert-Premiere am Sonntag, 03.07.2011, in Duisburg)
Drei Musiker aus Myanmar treffen auf drei europäische Musiker – Lieder, Melodien und Spielweisen zweier unterschiedlicher Kulturen begegnen sich. Eine französische Schlagzeugerin, ein italienischer Saxophonist, ein deutscher Trompeter gehen in der Traumzeit-Sonderproduktion einen spannenden musikalischen Dialog mit pat waing, maung zaing und hne, drei der charakteristischsten Instrumente der myanmarischen Musik, ein. Dabei werden sowohl traditionelle Lieder als auch neue Kompositionen aus den jeweiligen Kulturen gemeinsam erarbeitet. Dies geschieht auf unterschiedliche Weise: da z.B. die myanmarische Kultur ohne Notenschrift auskommt, müssen die Lieder erst skizziert oder arrangiert werden. Die europäischen Stücke werden im Gegenzug zunächst über Tonaufnahmen vermittelt und ebenfalls in Birma persönlich vorgespielt. Am Ende dieses Prozesses stehen die Endproben in Duisburg und das Konzert am 03.07. beim Festival.
VI. Workshop, Einführungen, Filme und Vortrag (01. bis 03.07.2011 in Duisburg)
Ergänzend zu den Konzerten des Myanmar-Schwerpunkts wird es auf dem Festival einen hsaing waing Workshop geben, bei dem die Spieler die Spielart der Instrumente vorführen und erklären. Der Workshop richtet sich sowohl an das interessierte Publikum, als auch an Musiker und Künstler.
Leitung: Badamyar Bodint und weitere Musiker, Übersetzung: Daphne Wolf
Daphne Wolf, Musikwissenschaftlerin an der Franz-Liszt-Universität Weimar, lebte und arbeitete fünf Jahre in Myanmar. Sie wird in kurzen Einführungen vor den Konzerten und einem Vortrag über die Grundzüge der birmanischen Musik sprechen. Außerdem wird vor jedem Konzert ein kurzer Dokumentarfilm der Yangon Film School e.V. eingespielt.
